Törggelen: Hintergründe, Tradition und Südtiroler Lebensart

A bissl Gschichte

“Törggelen”, also von Torggl zu Torggl ziehen, ist ein Stück Südtiroler Lebensart. Der Ausdruck Torggl heißt soviel wie Weinpresse, und davon gibt es in den magischen Hängen und Tälern Südtirols seit jeher reichlich. Wenn sich Südtirols Flora und Fauna ein letztes Mal von ihrer schönsten Seite zeigt, kommen beim Törggelen alljährlich Jung und Alt zusammen, um bei Winzern den Neuwein zu kosten.

Die Geburtsstunde dieses Herbst für Herbst wiederkehrenden Schauspiels liegt vermutlich im Eisacktal in Südtirol. Der genaue Hintergrund dieser sagenumwobenen Tradition ist nicht bekannt, Theorien gibt es jedoch reichlich. Eine Möglichkeit ist, dass das Törggelen dem Informationsaustausch der Weinbauern diente, bei der zusätzlich noch der Wein anderer Winzer verkostet werden konnte. Bei einem Gläschen oder auch zwei wurde über die neuesten Erlebnisse geredet und Ratschläge und Erfahrungen ausgetauscht.

Eine andere Theorie sieht die Wurzeln des Törggelen in einer Art Tauschgeschäft: Die Weinbauern schickten ihr Vieh im Sommer auf die Almen der Bergbauern und revanchierten sich im Herbst mit dem Ausschank des Neuweins und einer zünftigen Mahlzeit. Oder aber die Winzer bedankten sich mit dieser Tradition bei den fleißigen Erntehelfern nach der Weinlese. Die Hintergründe mögen vielleicht im Verborgenen liegen, bei einem ist man sich jedoch einig: Das Törggelen ist mittlerweile fester Bestandteil der Südtiroler Lebensart.

War der Grund des traditionellen Beisammensitzens im Herbst ursprünglich noch die Verkostung des jungen Weins, so geht es heute vorrangig um das gesellige Beisammensein an sich: Man trifft sich in ausgelassener Stimmung zu heiterer Musik, lacht, trinkt, isst und führt so eine bezaubernde Tradition fort. Einen vorgeschriebenen Ablauf gibt es nicht, gute Laune, mehrere Gänge und einige Stunden Zeit sollte man für das gemeinsame Speisen aber auf alle Fälle einplanen.

Speis’ und Tronk – es traditionelle Törggele Essen

Gutes Essen und gute Stimmung gehören einfach zu einem gelungenen Abend dazu. Das Törggelen stellt die Krönung eines gelungenen Festgelages dar. Es trifft sich gut, dass die Südtiroler Küche diesbezüglich so einiges zu bieten hat: Herzhafte Hausmannskost und feinster Wein stehen dabei im Mittelpunkt. Eines ist jedenfalls gewiss: Hungrig geht beim Törggelen sicher niemand nach Hause.

Auf den Tisch kommen Suppen, Schlutzkrapfen, Knödel, Käse, Kaminwurzen, Schüttelbrot, Sauerkraut, Kartoffeln, Schlachtplatten – um nur einige wenige Schmankerl aufzuzählen. Natürlich versüßt einem auch so manche Gaumenfreude den Abend, wie Apfelküchle, Strudel, mit Mohn und Marmelade gefüllte Krapfen. Traditionell gehören zum Abschluss die gebratenen Maroni dazu, die so genannten “Keschtn”. Fehlen darf natürlich auch nicht reichlich Wein, Most, Obstsäfte und Brände –  das Törggelen verlässt man nicht selten mit einem leichten Torkeln.

Nicht nur die Liebe zu einem guten Tropfen Wein ist der Inbegriff des klassischen Südtirolers, auch sonst spiegelt das Törggelen die Südtiroler Lebensart perfekt wider: Aufgeschlossenheit, Redseligkeit, Frohsinn und Lebensfreude, alles Attribute die einen waschechten Südtiroler ausmachen. Das Feiern zusammen bei gutem Essen und traditioneller Musik ist somit ein uriges Stück Südtiroler Lebensart.